In Memoriam

Wir trauern um Marion Kobelt-Groch.

 

Marion Kobelt-Groch, geboren 1955 in Wolfenbüttel, studierte Vor- und Frühgeschichte, Germanistik, Geschichte und Erziehungswissenschaften an der Universität Hamburg. 1990 promovierte sie über die Rolle von Frauen im Deutschen Bauernkrieg und in den Täuferbewegungen. 2002 folgte ihre Habilitation über die Rezeption der mythischen Gestalt der Judith vom 16. bis 19.Jahrhundert. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählten die radikale Reformation – speziell Täufergeschichte – sowie Frauen- und Geschlechtergeschichte, gedruckte lutherische Leichenpredigten des 16. bis 18. Jahrhunderts und Leopold von Sacher-Masoch (1836-1895).


Frau Kobelt-Groch kam erstmals 2008 als Autorin zu uns, damals mit dem Beitrag „Des hommes pauvres et des femmes qui le sont encore davantage. Vivre avec le minimum vita“ für den Tagungsband Hansen/Riis: Poverty: its Degrees, its Causes and its Relief. Ihr Beitrag war für die Publikation ins Französische übersetzt worden und wir haben für dessen Lektorat öfter mit dem Übersetzer und ihr über den Aufsatz konferiert. Daraus erwuchsen Interesse, Respekt und Zuneigung, die uns Frau Kobelt-Groch entgegenbrachte und wir ihr. So blieben wir über Jahre in lockerem Kontakt, bis Frau Kobelt-Groch zusammen mit Larissa Polubojarinova und Olga Kulishkina bei uns 2014/15 die Phänomenologie des Reisens publizierte (Phänomenologie, Geschichte und Anthropologie des Reisens.). Ein interdisziplinärer und komplexer Tagungsband, dessen Publikation sie mit viel Schwung und Tatkraft initiierte und dessen Beiträge sie mit Augenmaß und interkultureller Kompetenz herausgab. Hier waren die Herausgeberinnen und unser Lektorat voll gefordert und es war gut, Marion Kobelt-Groch dabei zu haben. Sie hat keine Mühen gescheut, wenn es Probleme zu überwinden oder schwierige Entscheidungen zu treffen galt. Als 2017 dieser Tagungsband – wie sie empfand – missgünstig rezensiert worden war, ließen ihr Sinn für Angemessenheit und Gerechtigkeit sie eine Gegendarstellung formulieren, die wir gerne auf unserer Website platziert haben. Das nächste gemeinsame Buchprojekt war in gutem Fortgang, als Frau Kobelt-Groch am 6. November 2018 einer von ihr tapfer bekämpften Krankheit erlag. Sie hinterläßt einen Mann und eine Tochter.

Wir werden gerne an den lebensfrohen, sympathischen Menschen, an die gute Autorin und engagierte Wissenschaftlerin zurückdenken, mit der wir unseren Weg als Verlag gemeinsam gegangen sind.